SCIENCE GALLERY
Ein Trip durch den digitalen Raum
DIE AUSSTELLUNG
Die Max-Planck-Gesellschaft präsentiert die Arbeit ihrer Wissenschaftler in immer wieder neuen (Wander-) Ausstellungen wie Science Tunnel oder Expedition Zukunft. 2011 wurde mit der Max Planck Science Gallery am Gendarmenmarkt in Berlin eine permanente Ausstellung geschaffen und damit ein unvergleichlicher Ort der Kommunikation von Wissenschaft.
Diese Ausstellung ist keine Ausstellung mehr im klassischen Sinne, denn weder der Raum noch die Exponate noch eine physisch greifbare Szenografie inszenieren das Thema. Diese Elemente bilden allerdings Rahmen und Plattform bzw. eine Art Container für die Inhalte, die ausschließlich digital gesteuert und präsentiert werden: wechselnde wissenschaftliche Themenschauen, die sich auch in Farben und Licht, Sound und Grafik verändern.
Dieses neue Format und die Chancen, die es bietet, soll auch eine junge Zielgruppe animieren, den Weg in die Science Gallery zu finden und ausgewählte Themen der Grundlagenforschung kennen zu lernen. Dieser Prozess wird in der Ausstellung aktiv mit angestoßen: Partizipation und Einladung zum Dialog ist die konzeptionelle Leitlinie in der Ausgestaltung der Science Gallery.
In der Umsetzung wird dies eingelöst durch eine Ausstattung mit modernster Interaktions-Technologie: Multitouchscreens, mobile electronic guides sowie berührungsfreie Interfaces. Eingebettet in ein ausgeklügeltes Interaktionsdesign verbindet die Science Gallery Architektur, Design und Infrastruktur zu einer Art virtuellem Raum.
Charakteristika der Science Gallery:
- Digitale Installation: Besucher agieren wie im Web 2.0 und werden Teil der Ausstellung
- Interaktions-Design mit Anbindung an weitere Medien und Kommunikationswege
- Individuelle Interaktionskonzepte: Zugang für unterschiedliche Wahrnehmungstypen
- Holografie-Simulation mit Avatar: individualisiert die Ausstellung
- Flexible Handhabung: immer aktuelle Inhalte und wechselnde Ausstellungsthemen
- Unabhängig vom Ort: einfaches Editieren der Inhalte
Die einmalige Präsentation dieser Ausstellung macht es jedem Besucher leicht, seinen eigenen Weg durch die Themen zu finden.
Max Planck Science Gallery 2011: Das durchlaufende Band der Conveyor Screens erzählt Geschichten aus Wissenschaft und Forschung als zeitlich-logische Abfolge. | © Archimedes │ Norbert Michalke
HERZSTÜCK: DAS NEUE EMS
Was die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den rund 80 Max-Planck-Instituten erarbeiten, bewirkt einen unerschöpflichen Strom von Forschungsergebnissen und -ständen. Eine der Herausforderungen in der Konzeption dieses Projekts war es daher, diese unermessliche Menge an Daten, an Text-, Bild- und Filmdateien, zu kanalisieren und zu organisieren. Darauf aufbauend galt es einen Standard zu definieren, der es erlaubt, Texte, Bilder, Filme zu editieren und auf den verschiedenen Präsentationsmedien der Science Gallery zu veröffentlichen.
Für diese komplexen Anforderungen entwickelte Archimedes ein dieser Situation und diesen Bedürfnissen angepasstes Content Management System als zentrale Steuerung für die gesamte Science Gallery:
das Exhibition Management System (EMS).
Dieses EMS ist von Archimedes völlig neu aufgesetzt worden. Das System ist im Vergleich zu einem herkömmlichen CMS viel leistungsstärker und flexibler: Es verbindet eine komplexe Datenbank mit haptischen und erlebbaren Frontends. Mit diesem EMS verfügt die Max-Planck-Gesellschaft über ein sehr innovatives Tool, denn die vielschichtigen Inhalte wissenschaftlicher Forschung lassen sich damit in einer Breite und Tiefe präsentieren, die weltweit sicher einzigartig ist.
Das EMS stellt eine integrierte Lösung dar: Auf den Exponaten können zum Beispiel ganz unterschiedliche Anwendungen laufen, die vom EMS angesteuert und verwaltet („befüllt“) werden. Die Vorteile liegen auf der Hand: Das EMS organisiert die Inhalte automatisch, und die Zusammenstellungen zu Themenschauen lassen sich auch innerhalb kurzer Zeit wechseln. Die Max-Planck-Gesellschaft kann so die Einblicke in das „Fenster“ ihrer Forschungsorganisation inhaltlich immer auf dem neuesten Stand halten.
Damit dieser Prozess präzise und korrekt abläuft, bietet das EMS verschiedene Autoritätsstufen und Freigabe-/Editions-Optionen für seine Nutzer bzw. das Redaktionsteam der Science Gallery. So lassen sich Arbeiten auch an verschiedene wissenschaftliche Bearbeiter delegieren, ohne dass zu viel Verantwortung aus der Hand gegeben wird.
Das neue Archimedes-EMS im Überblick:
- datenbankbasiert; ein zentraler Ort
- Hinterlegung aller Inhalte als digitalisierte Bestände
- Editions- und Redaktionssystem mit hierarchischer Freigabe
- Synchronisierung mit Exponaten; ortsunabhängig gesteuert
- „Vererbung“ auf Projekte unabhängig von Ort der Ausstellung
- aktualisiert die Exponate automatisch
Zusatzfunktionen durch ein EMS
- Szenographie-Steuerung Licht/Farben/Ton
- Skinning-Funktionen (Gestaltungsoptionen des Front-End über das EMS; modifizierbar nach Themen/Inhalten
DIE BOTSCHAFT
Offen und transparent
In welchen Bereichen Forschung heute betrieben wird, lässt sich von jedem interessierten Besucher ganz einfach herausfinden. Die Science Gallery stellt die Arbeit der rund 80 Max-Planck-Institute in wechselnden Themenschauen vor: von der Biochemie bis zur Kunstgeschichte, von der Astrophysik bis zur Meeresbiologie. Forschung wird anschaulich und für jedermann eingängig präsentiert; in einem Raum, der Passanten zum Eintreten einlädt. Inszeniert wird aber auch der eigene Anspruch an Innovation und Modernität: Die Inhalte der Science Gallery, die Interaktion der Besucher mit den angebotenen, modernsten Medien und der Raum an sich verweben sich hier zu einem neuen und eindrucksvollen Erlebnis für die Besucher.
Übergreifendes Ziel ist, die Max-Planck-Gesellschaft greifbar zu machen und ihr ein Gesicht zu geben. Die Besucher sind in der Science Gallery nicht sich selbst überlassen. Ein festes Team von Mitarbeitern übernimmt die Rolle von Moderatoren und begleitet die Besucher bei ihrer Reise durch die digital-virtuelle Welt dieser Galerie. Inhaltliche Schwerpunkte werden mit den Themenschauen gesetzt: Mit Eröffnung der Science Gallery startet die Schau „Herzensangelegenheiten – Forschen für die Medizin der Zukunft“; seit November 2011 läuft alternativ auch „Expedition Zukunft – Wissen für kommende Generationen“, im Januar 2012 folgt die Schau „Bildende Kunst – Chemie für das 21. Jahrhundert“.
Von innen nach außen
Wer möchte, kann zum Beispiel einem Wissenschaftler über die Schulter ins Mikroskop blicken und an seinen Ideen teilhaben. Das „Surfen“ durch die digitalen Räume der Galerie macht Forschung mit den Händen greifbar: Vesikel, Mikroben oder DNA-Strukturen – anschaulich gemacht in Bildern, Texten, Animationen. Verschiedene Interaktions-Angebote bieten unterschiedlichen Zugang zu Informationen. So wechseln lineare und nicht-lineare Präsentationen ab und Interaktions-Modi finden einen bildhaften Ausdruck: Forschungsprojekte regnen zum Beispiel über eine Bildschirmkante herab und lassen sich mit einem Finger auf dem Touchscreen öffnen. Wissenschaftliche Highlights können angeschaut und per Wischbewegung auf die nächste Screen weiter gereicht werden. 3D-Modelle werden ohne eine Berührung gedreht. Die einmalige Präsentation dieser Ausstellung macht es jedem Besucher leicht, seinen eigenen Weg durch die Themen zu finden.
Der Ausstellungsraum selbst wiederum verweist auf den öffentlichen Raum: durch die großen Fensterfronten dringen die sich verändernden Farben des Innenraums nach draußen; der Raum wird weithin sichtbar und lädt jeden Passanten ein einzutreten. Insbesondere bei Dunkelheit entfaltet das Lichtkonzept der Science Gallery eine eigene Strahlkraft. Moderne Architektur variiert ihre Erscheinung über die Fassade und bietet über veränderbare Lichtsituationen auch im Inneren eine wandelbare Atmosphäre an. Filigrane und organische Formen, Strukturen, Material und Beleuchtung spielen eine große Rolle.
Digital und vernetzt
Internet, Social Networks und Smart Devices verändern unsere Art zu kommunizieren; die Grenzen zwischen Genres und Medien verschwinden. Eine Veränderung, die sich auch in der Konzeption der Science Gallery niedergeschlagen hat: Zum einen wird der gesamte Content durch seinen digitalen Charakter zu einem sich selbst immer wieder veränderlichen Element der Ausstellung. Zum anderen können die Besucher ihre Spuren in der Ausstellung hinterlassen, sie können Teil nehmen und Teil werden: per Abstimmung auf dem electronic guide lassen sich zum Beispiel eigene Meinungen zu Themen der Ausstellung in das EMS der Science Gallery einspielen und von dort aus wiederum veröffentlichen.
Max Planck Science Gallery 2011: Bis hin zur Außenfassade verantwortet Archimedes die gesamte Gestaltung der Gallery am Berliner Gendarmenmarkt. | © Archimedes │ Norbert Michalke
DIE MEDIEN
An den Exponaten, die Archimedes in der Science Gallery realisiert hat, werden auch relativ neue Trends deutlich: Das „Sammeln“ von Wissen an Exponaten zum Beispiel. Das Erlernte wird von einem Exponat an ein anderes mitgenommen und so mit den (ähnlichen) Themen einer Reihe von Exponaten verknüpft: Information, Erkenntnis und Wissen wird vernetzt. Diese Vernetzung findet also nicht nur als digitaler Weitertransport statt, sondern erstreckt sich auch auf die inhaltliche Verbindung von Themen. „Vernetzt“ meint aber auch, dass der einzelne Besucher mit anderen Besuchern in Kontakt tritt. Es kann während und mit dem Ausstellungsbesuch ein gemeinsames Erlebnis geschaffen werden – über den Dialog an Multi-User-Anwendungen.
Die wichtigsten Exponate/Medien
Grundsätzlich wurden Front-End und Back-End aller Medien so aufeinander abgestimmt, dass durch die intelligente Organisation der Daten für den Besucher unterschiedliche Zugänge geschaffen werden konnten. Pro Exponat wurde je ein individuelles Interaktionsmodus entwickelt.
Multitouch-Wand
Diese Präsentationsfläche besteht aus vier Multitouch-Monitoren, die nebeneinander in eine LED-Wand eingelassen sind. So ergibt sich eine Art Band, über dessen gesamte Breite der Besucher interagieren kann. In die netzwerkartige, bewegliche Struktur sind Bilder, Slideshows und Filme aus unterschiedlichen Themenfeldern eingebunden; sie werden durch einfache Berührungen geöffnet, vergrößert, bewegt und verschoben – eine Art der Darreichung, die die Kommunikation zwischen den Nutzern an der Multitouch-Wand fördert.
Single-Touchscreen (MPG-Set)
Ein Touchscreen für eine Single-User-Anwendung: Der hochformatige Screen ist in vier Spalten aufgeteilt, deren Inhalte als vertikales Band angeordnet sind. Die vier Spalten laufen in einer aufsteigenden Gesamtbewegung. Der Benutzer kann das Band nach oben oder unten verschieben, um durch alle Themen zu navigieren. Themen werden mit Berührung geöffnet; Texte und Bilder zu einem Thema erscheinen vergrößert. In diesem Fall eröffnet sich so ein schneller, übersichtlicher Zugriff zur Eigendarstellung der Max-Planck-Gesellschaft.
Conveyor Screens
In einer horizontalen Bewegung laufen Inhalte in Form von Slideshows/Bilderstories über die gesamte Breite des Exponats (sechs Screens). Über eine vertikale Bewegung wechselt der Besucher zwischen den Inhalten/Themen. Stößt ein weiterer Besucher dazu und berührt einen der Screens, teilt sich das Band unter den Benutzern auf: Jeder kann unabhängig agieren.
3D-Monitore
Nebeneinander angeordnet zeigen diese Monitore verschiedene 3D-Modelle. Steht der Besucher in einem definierten Abstand zu einem der Monitore und hebt er die Hand, läuft ein Erkennungsprozess der Hand ab. Dieser ist in Sekundenbruchteilen abgeschlossen, dann kann der Besucher das Modell auf dem Monitor mit seiner Hand steuern: mit horizontalen Bewegungen links/rechts dreht er das Modell und kann – zum Beispiel ein Molekül – von allen Seiten aus sehen.
Video-Wissensquelle
Ein Archimedes-SessionDesk wurde hier für bis zu vier Benutzer ausgerichtet, die gleichzeitig am Tisch mit Kopfhörern agieren können. Präsentiert werden Filme mit Ton, die zum Beispiel Interviews zeigen sowie Slideshows. Die Inhalte/Themen erscheinen als Icons auf der Oberfläche des SessionDesk – wie wenn sie aus einer mittig platzierten Quelle „sprudeln“ würden. Die Icons bewegen sich von der Mitte an den Rand des Tischs; werden sie per Drag&Drop angehalten und aktiviert, öffnet sich ein Film oder eine Slideshow.
Kreisnavigator
Ein weiterer Archimedes-SessionDesk präsentiert die Personen, Institute und Abteilungen der Max-Planck-Gesellschaft. Auf der Oberfläche des SessionDesk ist ein Kreisnavigator platziert, der mittels Berührung verschiedene Suchkategorien anbietet und entsprechende Ergebnisse (Text- und Bildfelder) öffnet. Das Suchtool ist fachspezifisch, aber auch persönlich und alphabetisch ausgerichtet.
Holografie-Simulation
Im Zentrum der Science Gallery befindet sich eine Installation, in deren Zentrum in unablässiger Folge 3D-Objekte wie Zellen oder Moleküle im Raum erscheinen, um am Rande der Installation wieder im Nichts zu verschwinden. In Verbindung mit wechselnden Farben werden hier verschiedene Forschungsobjekte visualisiert und räumlich „greifbar“.
Electronic Guide (mobile device)
Jeder Besucher der Science Gallery kann sich am Empfangstresen einen Electronic Guide für die Dauer seines Besuchs aushändigen lassen. Der Electronic Guide ergänzt die Themen um weitere Informationen: über eine ID an den Exponaten ruft man auf das Display weitere Texte, Bilder und Filme ab. Der Electronic Guide fungiert auch als Abstimmungs-Tool: Hier kann der Besucher seine Antworten auf bestimmte Fragen zur Ausstellung eingeben. Wer möchte, kann auch Avatar „PI“ aktivieren, der die Informationen auf dem Display persönlich präsentiert und den Besucher mit seiner Stimme durch die Ausstellung leitet.
LEISTUNGEN
Ausstellung
- Szenografie, Exhibition Design
- Corporate Design der Science Gallery
- Artwork, Grafikdesign
- Interaktionsdesign Präsentations-Medien
- Herstellung, Testbau und Evaluierung
- Montage vor Ort
Exhibition Management System (CMS)
- Gesamt-Konzeption und Programmierung
- Screendesign
Themenschauen
- Konzeption, Artwork und Farbleitsystem
- Recherche, Text und Redaktion
Max Planck Science Gallery 2011, Zwischenpräsentation Szenografie | © Archimedes | Oliver Wia
DATEN UND FAKTEN
Auftraggeber / Projektträger
Max-Planck-Gesellschaft; 2011
Ausstellungsfläche
140 m²
Land / Nation
Deutschland
Sprachen
Deutsch / Englisch
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Science Gallery 2011_multitouchwand
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Max bla
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