SimMed

      Gemeinschaftsprojekt Charité Universitätsmedizin Berlin und Archimedes

      Bridging the gap – SimMed

      Zwischen der medizinischen Ausbildung im Hörsaal und dem ersten eigenständigen Patientenkontakt von Ärzten liegen Welten. Selbst approbierten Ärzten sind seltene Krankenbilder oft nur aus der Theorie bekannt. Vor diesem Hintergrund haben im Jahr 2009 die Charité und Archimedes das gemeinsame Forschungsprojekt „SimMed – Simulation medizinischer Handlungen“ ins Leben gerufen. 

      Link auf eine Reportage auf SPIEGEL ONLINE  | Dezember 2011

      Die Zielsetzung

      Ziel des Projektes ist ein an Serious Games orientiertes Lernprogramm, das multimediale Darstellungen, interaktive Software Features und die Interaktionen der Lernenden intelligent vereint: Medizinstudierende und Ärztinnen und Ärzte in der Fortbildung behandeln einen virtuellen Patienten mit realen Krankheitsbildern, Untersuchungs- und Therapiemöglichkeiten.

      Die interaktive Lernumgebung hilft so, den Abstand zwischen Ausbildung und Praxis zu verringern.

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      Mit Fingern und Händen wird am SessionDesk untersucht und diagnostiziert - an einem virtuellen Kind. | © Archimedes

      Lernen am SessionDesk

      Medium der Lernsoftware ist eine tischgroße Multitouch-Anwendung, ein Archimedes SessionDesk: Für eine Session versammeln sich eine vierköpfige Lerngruppe und ein Tutor/Tutorin um den virtuellen Untersuchungsraum. Wie an einem Tabletcomputer können hier per Drag und Drop, Icons und Tastaturflächen medizinische Instrumente eingesetzt, Laborbefunde abgerufen und Patienten behandelt werden.

      Die Instrumente und Befunde sind fotorealistisch hinterlegt: Die Lerngruppe erhält so in Echtzeit dem Untersuchungsalltag entsprechende Informationssplitter und Eindrücke, die sie unter realem Zeitdruck zu einer Diagnose und einem Behandlungsansatz verarbeiten müssen. Wie in der Praxis beginnt die Untersuchung mit der Anamnese und der Krankengeschichte: Die Lerngruppe erhält durch ein gefilmtes Patientengespräch mit einem Elternteil und der Patientin, einem 18 Monate alten Mädchen, erste Informationen über den bisherigen Krankheitsverlauf.

      Danach plant das Team gemeinsam den Untersuchungsverlauf und die Lernziele für die Übung; die dritte Phase führt die Gruppe zur virtuellen Patientin: einer lebensgroßen Simulation des lebensgefährlich erkrankten Kleinkindes mit dem für das Fallszenario spezifischen Krankheitsbild. Dargestellt werden alle wesentlichen körperlichen Befunde einschließlich der äußeren und inneren Indikatoren, dem Hautbild und Vitalparametern.

      Die mit dem Fall konfrontierte Lerngruppe kann hier Untersuchungen, Diagnostik und Behandlung realitätsnah durchführen, um fehlerkritische Handlungsabläufe anzutrainieren. In der Auswertung der Behandlungssession ist der Ablauf der Untersuchung ebenso wichtig wie das Ergebnis selbst: Der Untersuchungsverlauf wird jeweils aufgezeichnet und grafisch visualisiert.

      Dies ermöglicht es dem Tutor der Lerngruppe die Session vorzuführen, um Fehler aufzuzeigen und gemeinsam Optimierungsmöglichkeiten zu erörtern.

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      Mit Fingern und Händen wird am SessionDesk untersucht und diagnostiziert - an einem virtuellen Kind. | © Archimedes

      Die Umsetzung

      Der Arbeitsbereich eLearning der Charité zeichnet für den medizinisch-fachlichen und -didaktischen Bereich und die wissenschaftliche Evaluation der Lernumgebung, Archimedes für das Interfacedesign, das 3D Modelling, die Softwareentwicklung und die technische Umsetzung verantwortlich.

      Gemeinsam wurde ein „spielerisch“ leichter Ansatz gefunden, der die Aus- und Weiterbildung heterogener Gruppen in einer intuitiv verständlichen, praxisnahen Lernumgebung ermöglicht und damit die konventionellen Lehr- und Fortbildungsszenarien im Bereich der Kinder- und Jugendmedizin um einen wichtigen Baustein ergänzt. Im Gegensatz zu SimMed können weder Schauspieler (sog. „Simulationspatienten“) kindliche Krankheitsbilder darstellen, noch bilden so genannte Full-Scale-Simulatoren die diagnostisch wichtigen akuten Hautausschläge ab.

      In der ersten Entwicklungsphase werden für SimMed zwei Fallszenarien aus der kinderärztlichen Praxis entwickelt: Eine allgemein bekannte, aber selten auftretenden Virusinfektion (Masern) und eine lebensbedrohliche bakterielle Infektion. Geplant ist, dass in der anschließenden Vermarktungsphase ab 2012 weitere Fallszenarien und Adaptionen für alle marktgängigen Multitouch-Geräte folgen werden.

       

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      Fotorealistisch inszeniert "liegt" die kleine Patientin auf dem Archimedes-SessionDesk; zu sehen sind die zur Verfügung stehenden Instrumente. | © Archimedes

      Informationen zum Projekt

      SimMed wird für den Zeitraum 2009-2012 im Rahmen des Förderschwerpunktes „Innovationen und wissensbasierte Wirtschaft“ des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des „ProFiT – Programm zur Förderung von Forschung, Innovationen und Technologien“ der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologien und Forschung Berlin gefördert.

      Die Projektleitung haben für die Charité Kai Sostmann, Arzt und Leiter des Kompetenzbereichs eLearning der Charité und seitens Archimedes Anna Schäfers und Ulrich von Zadow inne.

      Kontakt Charité:
      Sandra Buron, Telefon: 030 450 576 257

      Kontakt Archimedes:
      Anna Schäfers, Telefon: 030 695 976 41

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